Quelle: Homepage Adler Mannheim
Ich vermisse das deutsche Essen!
21. August 2011
NHL-Star Marcel Goc trainierte in den letzten beiden Wochen regelmäßig mit den Adlern, um sich auf die kommende Saison mit seinem neuen Team, den Florida Panthers, vorzubereiten. Auch in Mannheim hat der 27-Jährige bereits seine Spuren hinterlassen, denn von 2001 bis 2003 spielte der Stürmer im Trikot der Adler. Nun geht der größere Bruder von Adler-Verteidiger Niki Goc bereits in seine neunte Saison in Nordamerika und will mit seinen neuen Mannschaftskollegen eine erfolgreiche Saison absolvieren. Wir haben uns vor seiner Abreise nach Florida mit dem deutschen Nationalstürmer getroffen und uns mit ihm über das Training bei den Adlern, seine Ziele für die kommende Saison und Gewohnheiten, die er in den USA am meisten vermisst, unterhalten.
Marcel, Du trainierst hier seit zwei Wochen mit den Adlern. Wie fühlst Du Dich körperlich?
Eigentlich ganz gut. Natürlich braucht man seine Zeit, wenn man seit Langem wieder aufs Eis geht. Das ist immer eine Umstellung und ich muss mich dann erst wieder ans Schlittschuhlaufen, an den Umgang mit der Scheibe und die Ausrüstung gewöhnen. Aber nach ein paar Einheiten war ich dann doch schnell wieder drin.
Wie froh bist Du, Dass Du hier bei den Adlern mittrainieren konntest?
Das ist auf jeden Fall eine tolle Sache. Es ist gut, wenn ich mich bei einem professionellen DEL-Klub fit halten kann und sich so optimal auf die neue NHL-Spielzeit vorbereiten kann. Ich war ja schon letztes Jahr hier mit dabei und jetzt hat sich das erneut ergeben. Das hat für mich natürlich auch deswegen Sinn ergeben, da mein Bruder hier bei den Adlern unter Vertrag steht.
Du sagst es: Niki hat sich bei den Adlern inzwischen gut eingelebt. Was ist das für ein Gefühl mit seinem Bruder auf dem Eis zu stehen?
Das macht riesigen Spaß! Ich stand ja erst einmal gemeinsam mit ihm bei der Nationalmannschaft bei der WM 2010 auf dem Eis. Ich habe diese Wochen mit ihm hier in Mannheim sehr genossen. So oft sehen wir uns im Jahr leider nicht und wenn man dann natürlich noch zusammen trainieren kann, ist das eine tolle Sache. Schade, dass ich in diesem Jahr kein Vorbereitungsspiel von ihm sehen kann, weil ich dann schon wieder auf dem Weg in die USA bin.
Wie schätzt Du das neue Team der Adler ein? Immerhin hast Du die Jungs ja hautnah erlebt.
Die Mannschaft macht einen sehr guten Eindruck. Die neuen Jungs haben sich anscheinend gut integriert und das Zusammenspiel hat bei den ersten Spielen der European Trophy auch sehr gut geklappt. Das heißt natürlich noch nicht so viel, aber es zeigt dass man auf dem richtigen Weg ist. Ich finde, dass der Kader gut zusammengestellt ist, und Harold Kreis und Mike Schmidt bereiten das Team optimal auf die neue Saison vor. Außerdem ist auch die Stimmung in der Kabine zwischen den Spielern untereinander sehr gut.
Auch Du selbst hast hier in Mannheim von 2001 bis 2003 gespielt. Wie hast Du diese Zeit in Erinnerung?
Das war schon eine beeindruckende Zeit damals. Ich bin ja als junger Kerl aus Schwenningen gekommen und habe dann urplötzlich um die Meisterschaft mitgespielt. Das war viel mehr Druck und die Erwartungshaltung eine andere. Zunächst musste ich mich erst einmal darauf einstellen, aber dann war es richtig gut und hat Spaß gemacht. Ich habe ja noch im alten Friedrichspark gespielt. Aber wenn man die SAP ARENA sieht, dann ist das schon ein schönes Stadion und macht Mannheim zu einer Topadresse.
Das hört sich an, als könntest Du Dir durchaus vorstellen nach Deiner NHL-Zeit noch mal hier bei den Adlern zu spielen.
In den nächsten Jahren natürlich erst einmal nicht. Da will ich in der NHL weiterspielen und hoffe verletzungsfrei zu bleiben. Aber in Zukunft kann ich mir schon vorstellen nach Deutschland zurückzukehren und hier eventuell auch irgendwann meine Karriere zu beenden. Wo das sein wird, sehen wir dann.
Nun lass uns aber nicht zu weit in Zukunft schauen. Sportlich geht es für Dich nämlich schon im Oktober in der NHL weiter. Du bist vor dieser Spielzeit von Nashville zu den Florida Panthers gewechselt. Was erwartest Du Dir von Deinem neuen Team und der neuen Saison?
In Florida will man etwas für die Zukunft aufbauen und hat sich höhere Ziele gesetzt. Die letzten Jahre waren dort eher durchwachsen. Deshalb wurden zehn neue Spieler verpflichtet, von denen einige einen sehr guten Namen haben. Von daher erwarte ich mir einiges und es sollte viel mehr drin sein, als die Jahre zuvor. Deswegen kehre ich auch mit einem guten Gefühl in die USA zurück.
Schon seit 2003 spielst Du in Nordamerika. Damals konnte man die deutschen NHL- Spieler fast an einer Hand abzählen. Heute hat man das Gefühl, dass sich immer mehr deutsche Cracks in der NHL durchsetzen können. Mit Christian Ehrhoff und Dennis Seidenberg standen sogar zwei von ihnen im diesjährigen Stanley-Cup Finale. Wie findest Du diese Entwicklung?
Das ist eine sehr gute und wichtige Entwicklung für das deutsche Eishockey. Es ist sicherlich auch eine große Motivation für alle jungen Spieler, wenn es immer wieder drei oder vier Spieler in die NHL schaffen und sich dort festbeißen. Es hängt natürlich auch von mehreren Faktoren ab, ob man es schafft oder nicht. Aber man sollte den deutschen Spielern viel öfter diese Chance in Nordamerika geben. Deswegen finde ich auch den Austausch der Adler mit den Toronto Maple Leafs eine sehr gelungene Sache.
Ist die Qualität der deutschen Spieler mit den Jahren besser geworden oder werden die jungen Cracks einfach immer mutiger?
Das deutsche Eishockey hat einen großen Sprung gemacht. Ein Beispiel waren die beiden Austausch-Spieler aus Toronto, mit denen ich kurz geredet habe und die vom deutschen Spiel hier sehr begeistert waren. Das zeigt, dass sich das Eishockey in Deutschland nicht verstecken muss und besser ist als viele denken. Es werden auch immer mehr deutsche Spieler in Nordamerika gedraftet. Deswegen würde ich auch jedem deutschen Talent den Sprung über den Teich empfehlen, wenn er die Chance dazu hat.
Jochen Hecht, ebenfalls in der NHL tätig, hat hier mit Dir trainiert. Welchen Vorteil bringt das, wenn man in der gleichen Liga spielt und zusammen trainieren kann.
Die Vorteile sind eher psychologischer Natur. Zwar machen wir auch gerne Fitnessübungen auf dem Fahrrad oder auf dem Laufband zusammen, aber sonst sind unsere persönlichen Pläne, die wir von unseren Teams oder Fitnesstrainern bekommen haben, zwar ähnlich, aber doch unterschiedlich. Das sind eben Übungen die jeweils persönlich auf uns zugeschnitten sind. Ich hatte zum Beispiel eine Schulterverletzung, die durch besondere Übungen nun wieder vollständig ausheilen soll. Die braucht Jochen natürlich nicht. Dennoch macht es sehr viel Spaß mit ihm zu trainieren und die Motivation ist auch höher, als wenn man alleine seine Übungen machen muss.
Wie sieht Dein persönlicher Fahrplan jetzt noch aus? Wie lange bist Du noch hier in Mannheim und wann beginnt dann das Training in den USA?
Ich bin noch bis Ende des Monats in Mannheim und werde dann rüber nach Florida fliegen. Schließlich muss ich ja noch umziehen und mich mit meiner Familie dort eingewöhnen. Schließlich ist mein Sohn erst sechs Monate alt. Da gilt es viele Kleinigkeiten zu organisieren. Besonders auch an die Zeitumstellung muss ich mich immer wieder neu gewöhnen.
Eine letzte Frage: Worauf freust Du Dich besonders, wenn Du nach so vielen Monaten Nordamerika im Frühsommer nach Deutschland zurück kommst?
Auf das deutsche Essen! Ganz klar! Vor allem die schwäbische Küche aus meiner Heimat wie z.B. Maultaschen. Aber auch kleine Dinge wie richtige Spielgeleier, deutscher Spinat oder Quarktaschen. Das gibt es zwar auch in den USA, aber das schmeckt anders. Zudem kocht meine tschechische Oma ausgesprochen gut. Da gibt es jedes Jahr ein großes Familienessen und darauf freue ich mich immer am meisten!